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Ludwig van Beethoven, Brief an Franz Gerhard Wegeler in Bonn, Wien, 16. November 1801, Autograph

Beethoven-Haus Bonn, Sammlung Wegeler, W 18

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Zusammenfassung
Mit Franz Gerhard Wegeler verband Beethoven schon seit Jugendtagen eine enge Freundschaft. Wegeler war Arzt. Ihm, dem Freund und Mediziner, berichtet Beethoven schon früh, was er seiner Umwelt gegenüber zu diesem Zeitpunkt noch ängstlich verschweigt: seine zunehmende Hörschwäche (siehe W 17, BGA 65). Das vorliegende Schreiben ist einer der bekanntesten und gleichzeitig anrührendsten Briefe Beethovens. Beethoven berichtet zunächst von seinem Gesundheitszustand und den Behandlungen, denen er sich unterzieht. Schon 1801 leidet er unter den Symptomen, die ihn sein Leben lang begleiten: Taubheit und Unterleibskrämpfe. Mit seinem behandelnden Arzt, Dr. Vering, ist Beethoven unzufrieden und überlegt, zu Dr. Schmidt zu wechseln. Von Schmidts modernen und erfolgreichen Behandlungsmethoden hat er gehört und bittet Wegeler um seine Meinung.

Beethoven berichtet seinem Freund auch von einem "lieben zauberischen" Mädchen "die mich liebt, und die ich liebe". Er denkt sogar über Heirat nach, leider stünde dem ihr Standesunterschied entgegen. Vermutlich handelt es sich bei der Verehrten um Julie Guicciardi, der Beethoven die Klaviersonate op. 27,2 (die sogenannte Mondscheinsonate) widmete. Beruflich ist Beethoven 1801 sehr erfolgreich, Wegeler gegenüber äußert er den Wunsch, mehr Reisen zu unternehmen. Dem stünde leider sein schwaches Gehör entgegen.

Trotz seiner Beschwerden ist Beethoven zuversichtlich und will keineswegs unglücklich oder misanthropisch erscheinen: "ich will dem schicksaal in den rachen greifen, ganz niederbeugen soll es mich gewiß nicht - es ist so schön das Leben tausendmal leben - für ein stilles - Leben, nein ich fühl's, ich bin nicht mehr dafür gemacht".

Zu Beethovens Bonner Jugendfreunden gehören auch die Kinder der Familie von Breuning. (Wegeler war ebenfalls mit den Breunings gut bekannt und heiratete 1802 Eleonore von Breuning.) Um 1800 war Stephan von Breuning in Wien beim Deutschen Orden. Beethoven äußert sich besorgt über dessen Gesundheitszustand und bittet Wegeler um positive Einflussnahme. "Steffen" arbeite zu viel, lebe isoliert und zeige sich sogar zu besonderen musikalischen Gesellschaften nicht mehr.

Schließlich kündigt Beethoven Musikalien ("von meiner Musik") und den neuesten Stich seines Porträts an, die er Wegeler schicken wolle, sollte dieser mit der Abwicklung der Portokosten einverstanden sein. Eleonore, Maria Helene und Christoph von Breuning lässt er grüßen. (J.R.)

Brieftext

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