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 Orchesterwerke

Sinfonie Nr. 3 (Es-Dur) op. 55 (Sinfonia eroica)

Hörproben
1. Allegro con brio (365 kB)
2. Marcia funebre. Adagio assai (365 kB)
3. Scherzo. Allegro vivace (365 kB)
4. Finale. Allegro molto (365 kB)

Entstehung
Plan bereits Herbst 1802, Beginn der Hauptarbeitphase Mai/Juni 1803, Abschluss evtl. Herbst 1803, spätestens Anfang 1804
Franz Joseph Maximilian Fürst Lobkowitz gewidmet

Beethoven arbeitete an seiner 3. Sinfonie im Wesentlichen im Jahr 1803. Einige frühe Skizzen stammen schon aus dem Herbst 1802, möglicherweise waren diese zum Zeitpunkt der Niederschrift aber nur erste Ideen, die noch nicht konkret in Bezug auf die Sinfonie niedergeschrieben wurden. Letzte Änderungen, Ergänzungen und Überarbeitungen brachte Beethoven noch Anfang 1804 an. Die Sinfonie wurde erstmals im Frühsommer im 1804 Wiener Stadtpalais des Fürsten Lobkowitz aufgeführt, was ein Eintrag ins Lobkowitzische Kassenbuch vom 9. Juni 1804 belegt, der Gelder für Musiker (darunter auch ein dritter Hornist) für "Prob vom Beethoven seiner Sinf: u Conc:" vermerkt.

Um die Entstehungs- und Aufführungsgeschichte der 3. Sinfonie, besonders jedoch um ihren Beinamen "Eroica" ranken sich zahlreiche Anekdoten. Eine beruht auf Anton Schindlers Bericht, der französische General Bernadotte habe die Sinfonie angeregt und in Beethoven die Idee geweckt, "den größten Helden des Zeitalters in einem Tonwerke" zu feiern - mithin ihn veranlasst, eine Huldigungsmusik an Napoleon zu verfassen. Schindler stieß jedoch erst 1822 zu Beethovens näherem Umfeld und konnte kaum Details aus 1803 oder früher kennen. Zudem weilte Bernadotte lediglich zwei Monate im Frühjahr 1798 in Wien. Seine Rolle für Beethoven und die Entstehung der 3. Sinfonie kann daher stark bezweifelt werden. Weitere, inhaltlich mehr oder weniger zusammenhängende Entstehungslegenden gehen mittelbar auf Beethovens Arzt Dr. Joseph Bertolini zurück, der unterschiedlichen Biographen und Musikern berichtete, Napoleons Zug nach Ägypten und das Gerücht von Nelsons Tod in der Schlacht bei Abukir bzw. der Tod des englischen Generals Abercromby hätten den Trauermarsch veranlasst. Auch Bertolini spielt jedoch im Jahr 1803 noch keine Rolle für Beethoven, er lernte ihn erst 1806 kennen. Napoleons Ägypten-Feldzug fällt in das Jahr 1798, Nelsons Kopfverletzung in der Seeschlacht bei Abukir stammt vom 1. August 1798. Dass Beethoven schon in diesem Jahr eine detaillierte Konzeption der 3. Sinfonie gehabt haben soll, mutet ausgesprochen erfindungsreich an, ebenso wie die Annahme, Sir Ralph Abercrombys Sieg über Napoleon am 21. März 1801 könne irgendeinen ursächlichen Zusammenhang mit der Eroica gehabt haben.

Die wohl hartnäckigste und bekannteste Anekdote ist mit Sicherheit jedoch die, Beethoven habe die Komposition dem französischen Konsul, Napoleon Bonaparte widmen wollen, und dies auf dem Titelblatt festgehalten. Nachdem er von der Kaiserproklamation Napoleons hörte, habe Beethoven wutentbrannt das Titelblatt zerrissen und ausgerufen "Ist der auch nichst anders, wie ein gewöhnlicher Mensch! Nun wird er auch alle Menschenrechte mit Füßen treten, nur seinem Ehrgeize fröhnen; er wird sich nun höher, wie alle Andern stellen, ein Tyrann werden!". Dieser Bericht wird teilweise durch das Titelblatt der überprüften Abschrift der Sinfonie gestützt. Tatsächlich wurde hier so heftig herumradiert, dass ein Loch entstanden ist (keineswegs allerdings zerriss das ganze Blatt). Beethovens Einschätzung über Napoleon war durchaus ambivalent und wechselte im Laufe seiner Lebenszeit. Zunächst fasziniert und beeindruckt von den Idealen und Leistungen des Franzosen, ist die von Ries berichtete Enttäuschung über Napoleons Selbstherrlichkeit und Kaiserproklamation offensichtlich historisch. Nachprüfbar ist am Titelblatt allerdings auch ein weiteres Faktum: dem durch Rasur entstandenen Loch steht Beethovens eigenhändiger nachträglicher Bleistiftzusatz "geschrieben auf Bonaparte" gegenüber. Auch berichtet Beethoven im August 1804 an den Verlag Breitkopf & Härtel in Leipzig "die Simphonie ist eigentlich betitelt Ponaparte". Aus den 1820er Jahren wird Beethovens schließlich positive Beurteilung Napoleons berichtet. Beethoven dachte wohl nicht daran, die 3. Sinfonie Bonaparte zu widmen - schließlich hatte er sie bereits Fürst Lobkowitz verkauft -, sondern hielt lediglich auf dem Titel den Namen fest: "intitolata Bonaparte", was er dann aus Enttäuschung wieder tilgte (daher das Loch), später aber erneut hinzufügte: "geschrieben auf Bonaparte".

In der Überschrift der ersten Londoner Partiturausgabe 1809 wurde offiziell ein unbekannter Held ("Sinfonia Eroica composta per celebrare la morte d'un Eroe" bzw. später "per festeggiare il sovvenire di un grand'uomo") festgeschrieben. Diskutiert wird neben Napoleon auch der von den Zeitgenossen heldenhaft verehrte Prinz Louis Ferdinand von Preußen, der 1806 auf dem Schlachtfeld gegen die französischen Truppen sein Leben ließ und den Beethoven bei Lobkowitz noch kennengelernt hatte. Letztlich ist auch die Zueignung an einen imaginären Helden nicht auszuschließen. (J.R.)

Erstausgaben
Erstausgabe, op. 55 (Eroica), Partitur, Cianchettini und Sperati, 27, HCB C Md 44
Erstausgabe, op. 55 (Eroica), Partitur, Simrock, 1973, J. Van der Spek C op. 55
Erstausgabe, op. 55 (Eroica), Partitur, Simrock, 1973; Teilscan, C 55 / 6
Titelauflage, op. 55 (Eroica), Stimmen, Bureau des Arts et d'Industrie, 512, HCB C op. 55 = HCB C Md 2
Titelauflage, op. 55 (Eroica), Stimmen, Haslinger, 4018; Teilscan, C 55 / 39
Titelauflage, op. 55 (Eroica), Partitur, Simrock, 1973; Teilscan, HCB C Md 45
Titelauflage, op. 55 (Eroica), Partitur, Simrock, 1973; Teilscan, Schorn 93

Musikdrucke
Bibliographische Angaben im Katalog der Bibliothek

Schriftdokumente
Brief an Breitkopf & Härtel in Leipzig, Wien, 21. Mai 1803, HCB Br 304
Brief an Nikolaus Simrock in Bonn, Wien, 25. Mai 1803, HCB Br 314
Brief an Breitkopf & Härtel in Leipzig, Wien, 14. Oktober 1803, HCB Br 306
Brief an Breitkopf & Härtel in Leipzig, Wien, 26. August 1804, HCB Br 63
Brief an Breitkopf & Härtel in Leipzig, Wien, 10. Oktober 1804, HCB Br 309
Brief an Breitkopf & Härtel in Leipzig, Wien, 24. November 1804, HCB Br 310
Brief an Breitkopf & Härtel in Leipzig, Wien, 16. Januar 1805, HCB Br 64
Brief an Breitkopf & Härtel in Leipzig, Wien, 12. Februar 1805, HCB Br 312
Brief an Breitkopf & Härtel in Leipzig, Wien, 18. April 1805, HCB Br 66
Brief an Breitkopf & Härtel in Leipzig, Wien, Mai 1805, HCB Br 65
Brief an Breitkopf & Härtel in Leipzig, Wien, 5. Juli 1806, HCB Br 67
Brief an Karl Holz, Wien, kurz vor dem 27. November 1825, NE 117
Brief an Albert Stadler in Wels, Wien, 7. März 1837, BH 179
Aufsatz "Beethoven's "heroische Symphonie.", HCB ZBr 13

Bilder
"Beethovens Heldensymphonie" - Holzstich nach einer Zeichnung, wohl von Hermann Vogel, 1889, B 2470
"Die neun Symphonien grüßen ihren sterbenden Schöpfer, Sir Herbert Beerbohm Tree als Beethoven bei der Aufführung des gleichnamigen Dramas in London" - Reproduktion einer Zeichnung von Fred Pegram, 1909 ?, B 2476
Beethovens 3. Sinfonie op. 55 "Eroica", allegorische Darstellung - Reproduktion einer Radierung von Alois Kolb aus dem Jahr 1921, erschienen Leipzig, 1927, 1927, B 2472, 3a
Beethovens 3. Sinfonie op. 55 "Eroica", allegorische Darstellung - Reproduktion einer Radierung von Alois Kolb, 1927, NE 81, Band VIII, Nr. 113
"Zu Beethovens Eroica" - Reproduktion einer Zeichnung von Erich Gruner, um 1930 ?, B 2468
Das Beethoven-Haus in Wien-Nussdorf, Kahlenberger Straße 26, um 1935 - Radierung von Herta Czoernig-Gobanz nach einer eigenen Zeichnung, um 1935?, B 2417
Franz Joseph Maximilian Fürst von Lobkowitz ( 1772-1816) - Fotografie eines wohl von Friedrich Oelenhainz stammenden Ölgemäldes, um 1935?, NE 81, Band I, Nr. 173
Beethovens 3. Sinfonie, 1. Satz - Ölgemälde von Tommaso de Meo, Rom, 1965, 1965, B 2265
Beethovens 3. Sinfonie, 2. Satz - Ölgemälde von Tommaso de Meo, Rom, 1965, 1965, B 2266
Beethovens 3. Sinfonie, 3. Satz - Ölgemälde von Tommaso de Meo, Rom, 1965, 1965, B 2267
Beethovens 3. Sinfonie, 4. Satz - Ölgemälde von Tommaso de Meo, Rom, 1965, 1965, B 2268
Beethovens Sinfonie Nr. 3 (Es-dur, op. 55) - Fotografie eines Gemäldes von Radu Dragomir, um 1971, Ni 42 DRAG / 1970 Drag
"Beethoven. Eroica" - Reproduktion einer Radierung von Roberto Hoffmann, wohl nach einer eigenen Zeichnung, um 1987, B 1878

Literatur
Bibliographische Angaben im Katalog der Bibliothek

Handschriftliche Quellen in anderen Bibliotheken
Berlin: Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv
Österreich, Wien: Gesellschaft der Musikfreunde, Archiv, Bibliothek und Sammlungen
Polen, Kraków: Biblioteka Jagiellonska

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