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Sechs Bagatellen für Klavier op. 126

Hörproben
Nr. 1. Andante con moto cantabile e compiacevole (365 kB)
Nr. 2. Allegro (365 kB)
Nr. 3. Andante cantabile e grazioso (365 kB)
Nr. 4. Presto (365 kB)
Nr. 5. Quasi Allegretto (365 kB)
Nr. 6. Presto - Andante amabile e con moto - Tempo l (365 kB)

Entstehung
April bis Juni 1824

Der Sommer 1822 gestaltete sich für Beethoven finanziell außerordentlich schwierig. Der Unterhalt seines Neffen Karl, seine Hausangestellten und seine Haushaltung waren teuer, zudem war Beethovens Gesundheitszustand schlecht, Arztkosten und eine bevorstehende Kur verschlangen zusätzliche Summen. Zu allem Unglück hatte er alte Schulden beim Verleger Steiner, die dieser inklusive Zinsen nun zurückforderte. Auch bei seinem Freund Franz Brentano in Frankfurt, der ihm für die Vermittlung der Missa Solemnis einen Vorschuss gezahlt hatte (die noch nicht abgeschlossen oder gar verkauft war) stand Beethoven in der Kreide, ebenso wie beim Verleger Artaria in Wien. In seiner Not wandte sich der Komponist an seinen Bruder Johann. Johann van Beethoven, das "Finanzgenie" der Familie, war wohlhabend und sehr geschickt in kaufmännischen Dingen, und kam seinem Ludwig zu Hilfe. Er unterstützte ihn mit Bargeld und leistete offenbar auch eine Bürgschaft bei Steiner, so dass Beethoven schließlich mit rund 500 Gulden bei Johann im Soll stand. Johann van Beethoven war jedoch nicht deswegen wohlhabend, weil er ein sentimentaler Geschäftsmann gewesen wäre. Außerdem kannte er seinen Bruder und dessen Versprechungen. Im Gegensatz zu Verlegern und Freunden ließ er sich nicht auf Ludwigs Zusagen ein, sondern verlangte von diesem das Eigentumsrecht an mehreren Werken, darunter auch die Bagatellen, die Beethoven an den Verleger Peters verkaufen wollte und die später zu op. 119 werden sollten. In der Folge geschah das Unvermeidliche: die Brüder zerstritten sich und trugen ihre Misshelligkeiten über diverse Verlage aus. Johann versuchte, die Bagatellen zu veräußern, Ludwig versuchte das zu verhindern, da er sich von seinem Bruder für übervorteilt hielt. Intrigen und Ränke wurden geschmiedet, vermeintliche Machenschaften vereitelt und neu gesponnen. Ludwig gewann: mittels seines ehemaligen Schüler Ferdinand Ries in London brachte er die Bagatellen (op. 119) in England an den Mann. Einmal erschienen, hatten sie für Johann keinen kaufmännischen Wert mehr. Dieser gab sich jedoch nicht geschlagen. Um Johann für entgangenes Honorar zu entschädigen, musste Ludwig Ersatz leisten. Da klingende Münze nicht vorhanden war, entschädigte er ihn in naheliegenden Naturalien: einem neuen Zyklus von sechs Bagatellen, op. 126, den er im Frühjahr 1824 verfasste und am 19. Juni 1824 seinem Bruder als zur Abholung bereit ankündigte. (J.R.)

Musikhandschriften
Skizzen, BH 112
Autograph, op. 126, HCB Mh 23

Erstausgaben
Originalausgabe, op. 126, Schott, 2281, HCB C op. 126
Originalausgabe, op. 126, 1-6, Schott, 2281; Teilscan, C 126 / 1
Titelauflage, op. 126, 1-6, Schott, 2281, C 126 / 7

Musikdrucke
Bibliographische Angaben im Katalog der Bibliothek

Schriftdokumente
Billet an Willibrord Mähler, Wien, ab 1819, NE 97
Brief an Johann van Beethoven, Wien, Ende Mai 1824, NE 176
Brief an Johann van Beethoven in Gneixendorf, Penzing, 19. Juni 1824, hcb br 11
Brief an Heinrich Albert Probst in Leipzig, Wien, 3. Juli 1824, NE 20

Literatur
Bibliographische Angaben im Katalog der Bibliothek

Handschriftliche Quellen in anderen Bibliotheken
Berlin: Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz, Musikabteilung mit Mendelssohn-Archiv
Frankreich, Paris: Bibliothèque nationale de France, département Musique, MS-69
Frankreich, Paris: Bibliothèque nationale de France, département Musique, MS-74
Frankreich, Paris: Bibliothèque nationale de France, département Musique, MS-81
Österreich, Wien: Gesellschaft der Musikfreunde, Archiv, Bibliothek und Sammlungen

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