Erhaben, kurios oder modern

Beethoven-Denkmäler des 19. und 20. Jahrhunderts

Bildübersicht |
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23

1900 - 1910

Auf der Suche nach neuen Formen

Während Max Klinger oder Fidus ihre romantischen Vorstellungen von Beethoven als "Übermensch" entwickelten, gab es andere, vollständig von diesem Blickwinkel abweichende Ideen dafür, wie ein Beethoven-Denkmal auszusehen habe. Einige dieser Entwürfe orientierten sich stark an den traditionellen Typen und Formen des 19. Jahrhunderts, andere versuchten, neue Wege zu beschreiten.

Weigl-Denkmal Heiligenstadt
Robert Weigl: Beethoven-Denkmal in Heiligenstadt (1902-1910)

Tejcek-Lithographie
Martin Tejcek: Beethoven beim Spaziergang (1841)

Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang das Beethoven-Denkmal, das Robert Weigl (1851/52-1902) in Wien-Heiligenstadt errichtete. Denn Weigls Ansatz unterscheidet sich grundlegend von Konzepten der Spätromantiker und orientiert sich vielmehr an der naturalistischen Auffassung des mittleren 19. Jahrhunderts.

Das unmittelbare Vorbild für seine Beethoven-Figur bildet eine Lithographie von Martin Tejcek (1780-1847), die Beethoven beim Spaziergang zeigt. Diese Darstellung aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde vom Bildhauer fast ganz genau in die Plastik übertragen und so eine sehr realitätsnahe Darstellung geschaffen. Dieses Beethoven-Denkmal sollte den Eindruck erwecken, als begegne der Betrachter dem Komponisten unmittelbar beim Spaziergang in der Natur. Beethoven wurde hier also ganz in die menschliche Sphäre einbezogen.

Schon wenige Jahre nach der Aufstellung dieser Plastik wurde ein solches Konzept als zu wenig monumental empfunden. So schuf man im Jahr 1910 eine architektonische Einfassung mit einer Säulenreihe, um die Statue so optisch von der Welt des Betrachters abzurücken.

Bildübersicht |
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23