Erhaben, kurios oder modern

Beethoven-Denkmäler des 19. und 20. Jahrhunderts

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1920 - 1939

Beethoven-Denkmäler zwischen Tradition und Modernität

Die allgemeine Verehrung Beethovens erlebte im Jahrzehnt zwischen 1920 und 1930 noch einmal einen besonderen Höhepunkt. Dies stand einerseits mit der Tatsache in Verbindung, daß sich im Jahr 1927 der Todestag des Komponisten zum hundertsten Mal jährte. Andererseits dürfte gerade in Deutschland die starke Beschäftigung mit Beethoven in diesen Jahren auch durch die traumatischen Erfahrungen des 1. Weltkriegs verursacht worden sein. Denn nach der militärischen Niederlage bezog man vor allem aus kulturellen Leistungen ein nationales Selbstbewußtsein.

Gosen-Denkmal Mexiko City
Theodor Gosen: Das Beethoven-Denkmal in Mexico City (1921)

Die Denkmäler und Denkmalsentwürfe, die in dieser Zeit entstanden, zeichnen sich durch eine große Vielfalt in ihren Konzepten und in ihrem Stil aus. Gemeinsam ist fast allen diesen Projekten, daß man nun weniger Beethoven als Person ehren wollte, als vielmehr seine Musik. So entstanden ganz unterschiedliche Ansätze, die die künstlerische Leistung Beethovens zum Hauptmotiv machten und die Darstellung des Komponisten eher am Rande mit einbezogen.

Ein Beispiel für einen solchen Versuch ist das Beethoven-Denkmal von Theodor von Gosen (1873-um 1925) in Mexico City. Hier sind die allegorischen Motive, die im 19. Jahrhundert gewöhnlich in der Sockelzone eines Denkmals angebracht worden waren, zum wichtigsten Element der Komposition geworden. Auf einem hohen Podest ist ein geflügelter Genius zu sehen, der von einer knienden Gestalt - der leidenden menschlichen Seele - um Erlösung angefleht wird. Daß der Weg zu dieser Erlösung über die Musik Beethovens beschritten werden kann, deutet die Maske des Komponisten an, die am Sockel des Monumentes angebracht ist.

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