Erhaben, kurios oder modern

Beethoven-Denkmäler des 19. und 20. Jahrhunderts

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1850 - 1910

Beethoven wird zum "Olympier"

Traditionellerweise wurden herausragende musikalische Leistungen einer Person in Portraits oder Denkmälern durch die Beigabe einer Leier angedeutet. Dieses Instrument, das ursprünglich dem antiken Gott Apoll und den Musen Erato und Terpsichore vorbehalten war, findet sich schon im 18. Jahrhundert immer wieder in Darstellungen von Musikern und Komponisten. Einerseits sollte mit diesem Motiv allgemein ein Hinweis auf den musikalischen Kontext gegeben werden, andererseits sollte aber auch konkret der Bezug zu den olympischen Gottheiten und den Musen hergestellt werden. Zugleich wurde damit auf die göttliche Inspirationsquelle für die Musik angespielt.

Bläser-Denkmal
Gustav Blaeser: Beethoven als Apollo (um 1840)

antike Apollo Statue (Vatikan)
Apollo mit Kithara (1. Jh. v. Chr.)

Ludwig van Beethoven wurde bereits im Alter von 34 Jahren in einem Gemälde von Willibrord Joseph Mähler (1778-1860) mit der Leier in der Hand dargestellt. Bei der Gestaltung von Denkmälern, die man für Beethoven errichten wollte, kam es schon früh zu einer relativ eindeutigen Gleichsetzung des Komponisten mit Apoll. Denn schon 1845 entstanden Entwürfe, die Beethoven nicht in einer realistischen Gewandung zeigen. Statt dessen wurde der Komponist in den weiten Mantel antiker Gottheiten gehüllt und erhielt als Attribute die Leier und manchmal sogar den Lorbeerkranz des Apoll. Ein typisches Beispiel für diese Auffassung zeigt das hier abgebildete Modell, das Gustav Blaeser (1813-1874) für das Bonner Beethoven-Denkmal schuf.

Sachse, Holzschnitt - Beethoven-Denkmal
Emil Eugen Sachse: Entwurf für ein Beethoven-Denkmal, Holzschnitt, um 1890

Während man in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts dieser Art der Beethoven-Darstellung eher kritisch gegenüberstand, da man sie als zu heroisch empfand, änderte sich der Geschmack später grundlegend. Nun wurde die gedankliche Verbindung zwischen Beethoven und dem Musengott immer beliebter, bis es am Ende des 19. Jahrhunderts zu einer echten Heroisierung Beethovens kam. Die Darstellung von Emil Eugen Sachse (1828-1887) läßt den Übergang zwischen dem bürgerlichen Beethoven-Denkmal aus der Zeit um 1850 und der heroischen Auffassung der zweiten Jahrhunderthälfte besonders gut erkennen. Beethoven ist zwar noch stehend gezeigt und trägt die Kleidung der Zeit um 1825, sein Mantel ist aber viel voluminöser als in älteren Entwürfen und erinnert nun deutlich an die Draperien antiker Götterstatuen. Auch der Lorbeerkranz, den der Komponist trägt, verweist auf diesen Zusammenhang.

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