Erhaben, kurios oder modern

Beethoven-Denkmäler des 19. und 20. Jahrhunderts

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1878 - 1880

Das Beethoven-Denkmal von Caspar Zumbusch - II

Das Beethoven-Monument, das Caspar Zumbusch schuf, war nicht das erste Wiener Musiker-Denkmal. Denn schon 1862 hatte der Wiener Männergesangverein die Initiative ergriffen, um eine Statue für Franz Schubert errichten zu lassen. Dieses Denkmal wurde von Theophilus Edvard von Hansen (1813-1891) und Carl Kundmann (1838-1919) ausgeführt und 1872 enthüllt.

Zumbusch-Denkmal en face
Caspar Zumbusch: Beethoven-Figur vom Beethoven-Denkmal in Wien (1880)

In den 1870er Jahren empfand man es dann geradezu als eine Ehrenschuld, in der Kaiserstadt endlich auch ein Denkmal für Ludwig van Beethoven zu errichten und schrieb einen Wettbewerb für das Projekt aus. Namhafte Künstler - insbesondere Franz Liszt und Johannes Brahms - unterstützten das Vorhaben mit großzügigen Spenden, so daß das Monument am 1. Mai 1880 präsentiert werden konnte.

Heliogravüre Zumbusch-Denkmal
Caspar Zumbusch: Beethoven-Denkmal Wien (1880)

Kundmann Schubert
Carl Kundmann: Schubert-Denkmal Wien (1872)

Die Besonderheit und Neuartigkeit der Anlage von Caspar Zumbusch wird vor allem im Vergleich mit dem etwas älteren Schubert-Denkmal von Karl Kundmann deutlich. Auch Kundmann hatte den Komponisten, der geehrt werden sollte, auf einen hohen Sockel gesetzt. Auch er hatte die Form der Sitzfigur gewählt und Schubert in einen üppigen weiten Mantel gehüllt. Dennoch wirkt sein Denkmal schlichter und bürgerlicher, fast privat. Dies hat seinen Grund vor allem in der Gestaltung des Sockels, der beim Schubert-Denkmal mit Reliefs dekoriert worden ist, während beim Beethoven-Denkmal hier vollplastische Skulpturen angebracht sind. So repräsentiert das Denkmal von Caspar Zumbusch ganz das starke Selbstbewußtsein des deutschen und österreichischen Großbürgertums in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, das sich selbst als Hauptträger der deutschen Kultur verstand. Ganz in diesem Sinne sollte das Denkmal auch nicht nur als "Huldigung für einen bedeutenden Menschen" dienen, sondern zugleich auch als "künstlerische Dekoration eines Punktes der Stadt", wie es in einem Zeitungsartikel aus dem Jahr 1877 heißt.

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