Erhaben, kurios oder modern

Beethoven-Denkmäler des 19. und 20. Jahrhunderts

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Um das Jahr 1900

Von Apoll zu Jupiter

Die Verehrung Beethovens als Inbegriff des schöpferischen Künstlers erreichte am Ende des 19. und im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts ihren Höhepunkt. Die Heroisierung des Komponisten in der bildenden Kunst blieb in dieser Zeit nicht auf Deutschland und Österreich beschränkt, sondern sie fand auch in Werken französischer Künstler und in verschiedenen Monumenten auf dem amerikanischen Kontinent ihren Niederschlag. Dabei interpretierte man Beethoven nun nicht mehr als zeitgenössischen Musiker oder als inspirierten Komponisten, sondern verglich ihn mit dem heroisch ringenden Titanen Prometheus oder mit dem weit über der Welt der Menschen thronenden Göttervater Jupiter.

Lang-Beethoven in den Wolken
Joseph Adolf Lang: Beethoven in den Wolken (1905)

Um diese besondere Verehrung für Beethoven zum Ausdruck zu bringen, stellten verschiedene Künstler, wie z.B. Franz von Stuck (1863-1938) oder Joseph Adolf Lang (1873-vor 1928), den Komponisten auf einem sehr hohen Thron dar. Durch die Verwendung betont schlichter und blockhafter Formen versuchten sie zugleich, ihren Darstellungen einen besonders monumentalen Eindruck zu verleihen. So sollte die Entfernung zwischen dem "Titanen" Beethoven und dem Normalsterblichen ausgedrückt werden.

Klinger-Denkmal Leipzig
Max Klinger (1857-1920): Das Beethoven-Denkmal in Leipzig (1902)

Den Höhepunkt der Umsetzung derartiger spät-romantischer Vorstellungen in der bildenden Kunst stellt wohl das Beethoven-Denkmal von Max Klinger (1857-1920) dar. Max Klinger verehrte den Komponisten Beethoven persönlich außerordentlich. Denn nach seinem Empfinden war die Musik der Bildhauerei deutlich überlegen, da sie weniger von der materiellen Welt abhängig und damit der Gottheit näher war als die bildende Kunst. Beethoven, der nach Klingers Meinung als größter Komponist zu gelten hatte, war dementsprechend mehr als ein inspirierter und kreativer Mensch. Er war in Klingers Vorstellungswelt fast zu einem Gott geworden und zum Inbegriff des Künstlers schlechthin.

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